Ergebnisbasierte Entwicklungszusammenarbeit: Grenzen neuer Ansätze

Ergebnisbasierte Entwicklungszusammenarbeit: Grenzen neuer Ansätze

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Klingebiel, Stephan
Analysen und Stellungnahmen 15/2011

Bonn: German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

In der aktuellen entwicklungspolitischen Diskussion spielen so genannte ergebnisbasierte Ansätze eine große Rolle. Die Debatte hat zwei Aspekte: Zum einen geht es in der kontinuierlichen fachlichen Diskussion um die weitere Verbesserung der Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Zum anderen besteht bei vielen Gebern (Parlamente, Öffentlichkeit etc.) ein anhaltender Bedarf,
Ausgaben für EZ zu rechtfertigen. Daher existiert ein hoher Druck, möglichst konkrete Belege für den Sinn der EZBudgets darzulegen.

Eine Unterscheidung von ergebnisbasierten Ansätzen zwischen (i) ergebnisbasierter EZ (Results-Based Aid – RBA) und (ii) ergebnisbasierter Dienstleistungserbringung (Results-Based Service Delivery – RBSD) ist wichtig. Auch wenn beiden Ansätzen dieselbe Rationalität (Anreizwirkungen)
zugrunde liegt, unterscheiden sie sich in grundsätzlicher Weise. Die aktuelle internationale Debatte ist
v. a. auf ergebnisbasierte EZ fokussiert.

Ergebnisbasierte EZ setzt daran an, quantifizier- und messbare Resultate zu identifizieren, d. h. Ergebnisse, die möglichst unmittelbar der EZ-Unterstützung zugeordnet werden können. Ein Vertrag zwischen dem Geber und dem Partnerland regelt, dass für jeden schrittweisen Erfolg ein Betrag („Belohnung“) zur Verfügung gestellt wird. Bislang liegen nur begrenzte praktische Erfahrungen
mit solchen Ansätzen vor. Zum Teil handelt es sich um eine Weiterentwicklung von eistungsabhängigen Budgethilfen, zum Teil liegen Vorschläge auf dem Tisch, jeden einzelnen Erfolg (etwa für einen zusätzlichen Schulabgänger) zu belohnen. So bestechend dieser Ansatz einerseits
wirkt, so kompliziert kann dessen Umsetzung in der Praxis andererseits sein. Die Gefahr von Fehlanreizen ist groß, weil sich möglicherweise alle Bemühungen auf die
Erreichung einer einzigen Zielgröße richten. Folgende Schlussfolgerungen lassen sich ziehen:

  • Einige bestehende Instrumente bieten zum Teil bereits sehr gute Möglichkeiten, Leistungsanreize zusetzen. Dies gilt etwa für die Gestaltung von Budgethilfen durch variable Tranchen.

  • Hinsichtlich anderer RBA-Ansätze (etwa Cash on Delivery) stehen praktische Erfahrungen noch aus. Hier gibt es teilweise berechtigte Zweifel, ob nicht Nachteile überwiegen.
  • Der erhoffte politische Nutzen von einigen RBAAnsätzen, nämlich genau nachweisbare Ergebnissevorlegen zu können, ist zumindest in Teilen nur „scheinbar“ möglich.
  • RBA-Ansätze setzen auf der Partnerseite eine klare Leistungsorientierung voraus, die für die Gruppe der reformdynamischen Länder zutrifft. Länder, die etwa über keine gute Regierungsführung verfügen, lassen sich über solche Anreizsysteme nur begrenzt erfolgversprechend fördern; hier sind ggf. andere Ansätze geeigneter.

Über den Autor

Klingebiel, Stephan

Politikwissenschaftler

Stephan Klingebiel

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