Afrikanische Entwicklungstrends: Lektionen aus der globalen Finanzkrise

Afrikanische Entwicklungstrends: Lektionen aus der globalen Finanzkrise

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Berensmann, Kathrin
Analysen und Stellungnahmen 12/2011

Bonn: German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

2011 ist ein wichtiges Jahr für Afrika. Nicht nur die fünfzigjährige Unabhängigkeit von 17 afrikanischen Staaten, sondern auch das zehnjährige Bestehen der Millenniumserklärung liegen kaum ein Jahr zurück. Zudem wurden vor gut einer Dekade die ersten Schritte zur Schaffung der AU und NEPAD
getan. In einer A&S-Reihe untersuchen europäische und afrikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Entwicklungstrends auf der "Afrikanischen Agenda" und identifizieren zukünftige Herausforderungen für den Kontinent.

Entgegen den anfänglichen Erwartungen hatte die globale Finanzkrise auf die meisten Länder in Sub-Sahara Afrika (SSA) im Vergleich zu anderen Weltregionen relativ geringe Auswirkungen. Auf der einen Seite sind die Folgen, gemessen am Wirtschaftswachstum, an den Exporten und den Kapitalzuflüssen, in den meisten Ländern dieser Region im Vergleich zu anderen Weltregionen niedrig. Auf der anderen Seite bleibt noch unklar, wie stark die humanitären Folgen der Krise sind, da beispielsweise die Auswirkungen auf die Erreichung der Millennium Development Goals erst mit einer zeitlichen Verzögerung sichtbar werden und entsprechende Daten noch nicht verfügbar sind.

Trotz dieser relativ geringen Auswirkungen der Krise bleibt besonders SSA anfällig gegenüber vielfältigen exogenen Schocks, die häufiger in Entwicklungs- als in Industrieländern auftreten, wie z. B. Rohstoffpreisvolatilitäten, Naturkatastrophen oder Währungsschwankungen.

Erhebliche strukturelle Schwächen, insbesondere eine wenig diversifizierte Wirtschafts- und Exportstruktur sowie eine Dominanz von Primärgütern sind die Ursache hierfür.

Die negativen Auswirkungen von exogenen Schocks sind in einkommensschwachen Ländern, zu denen die meisten Länder dieser Region gehören, stärker. Aufgrund von unzureichenden Sozialsystemen und unterentwickelten Finanz- und Kapitalmärkten verfügen sie weder über geeignete Instrumente zur Abfederung von exogenen Schocks, noch können sie genügend interne Ressourcen zur Finanzierung dieser Instrumente mobilisieren.

Aus diesen Gründen besteht die größte ökonomische Herausforderung mittelfristig darin, geeignete wirtschaftspolitische Instrumente zur Abfederung von exogenen Schocks präventiv zu installieren, um sie im Krisenfall anwenden zu können. Zu diesen internen Maßnahmen gehören: eine solide Fiskalpolitik und ein effektives Schuldenmanagement, der Ausbau von sozialen Sicherungssystemen, der Ausbau der nationalen Finanzsysteme sowie die langfristige Diversifizierung von Exporten.

Besonders die ärmeren Bevölkerungsschichten sind von exogenen Schocks betroffen. Das gilt vor allem für Energie-und Nahrungsmittelpreisschocks, da sie einen großen Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Nahrungsmittel und Energie ausgeben. Deshalb sollten jetzt geeignete Institutionen zur Abfederung von exogenen Schocks aufgebaut werden, wie z. B. Nahrungsmittel-Stabilisierungsfonds (die Food Emergency Facility der Afrikanischen Entwicklungsbank),
sowie sozialpolitische Instrumente wie z. B. die Ausweitung von Cash-Transfer-Programmen. Auf internationaler Ebene sollte zur Verhinderung von extremen Preisschwankungen die Spekulation mit Rohstoffen besser reguliert und beaufsichtigt werden. Die G20 hat Lösungsvorschläge hierzu auf ihrer Agenda.

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