Grüne Anleihen: ohne rosarote Brille betrachtet

Grüne Anleihen: ohne rosarote Brille betrachtet

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Berensmann, Kathrin / Florence Dafe / Miriam Kautz / Nannette Lindenberg
Analysen und Stellungnahmen 7/2017

Bonn: German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Engl. Ausg. u.d.T.:
Green bonds: taking off the rose-coloured glasses
(Briefing Paper 24/2016)

Im November 2016 trat das globale Klimaschutzübereinkommen von Paris in Kraft. Nun müssen dringend zusätzliche Mittel für umweltverträgliche Anlagen aufgebracht und die Finanzströme von umweltschädlichen „braunen“ zu „grünen“ Anlagen umgelenkt werden. Amtsträger, Investoren und die Medien bezeichnen grüne Anleihen für beide Ziele als Schlüsselinstrument. Aber was sind grüne Anleihen, und wie realistisch wird ihr Potenzial zur Finanzierung nachhaltiger Entwicklung bewertet, insbesondere für nachhaltige Investitionen, die auf anderem Wege nicht finanziert würden?
Grüne Anleihen sind Schuldtitel zur Finanzierung ökologisch nachhaltiger Investitionen. Ihr Markt begann nach der globalen Finanzkrise 2008 zwar nur langsam zu wachsen, explodiert aber seit 2014 mit Emissionen in Höhe von 42 Mrd. USD im Jahr 2015. Seit dem „Abheben“ 2014 sind die Erwartungen an grüne Anleihen weiter gestiegen.
Sie sind aus verschiedenen Gründen für Investoren attraktiv. Im Vergleich zu anderen grünen Instrumenten sind sie oft recht einfache und geläufige Festzinsinstrumente. Zudem werden die Risiken CO2-intensiver Anlagen in Anlageportfolios zunehmend berücksichtigt. Grüne Anleihen sind auch für solche Anlegergruppen attraktiv, die umweltfreundlich handeln möchten. Schließlich sind insbesondere grüne Anleihen internationaler Finanzinstitute oder großer Unternehmen häufig so umfangreich, dass sie für institutionelle Anleger attraktiv sind.
Grüne Anleihen sind allerdings auch mit Problemen verbunden. Dazu zählen erstens die Mängel des Governancekonzepts für ihren Markt, zweitens die erheblichen Kosten für die Kennzeichnung als grüne Anleihe und drittens der Mangel an grünen Projekten, in die sich ihr Ertrag anlegen ließe. Bei Entwicklungs- und Schwellenländern kommen weitere Einschränkungen hinzu. Emissionshindernisse sind hier insbesondere schwach entwickelte Kapitalmärkte und schlechte Ratings potenzieller Emittenten. Zudem wurden grüne Anleihen bisher nur selten ausgegeben, um zusätzliche Mittel für die Finanzierung des Klimawandels aufzubringen.
Eine wichtige Maßnahme, um diesen Problemen zu begegnen und das Potenzial grüner Anleihen zur Finanzierung nachhaltiger Entwicklung auszuschöpfen, ist ein geeignetes Governancekonzept. Nur so kann der Markt tragfähig reifen.
Ein besseres Governancekonzept muss grüne Anleihen klar und angemessen definieren. Weithin sollte es regelmäßige Berichte sowie die Überwachung und Bewertung der Einhaltung von Standards auch jenseits der Selbststeuerung der Branche umfassen. Zudem muss das Governancekonzept inklusiver ausgestaltet werden und die Informationsweitergabe zwischen den Akteuren verbessert werden. Regierungen und Entwicklungsbanken spielen bei der Entwicklung der Märkte eine zentrale Rolle, indem sie die Kosten für die Emissionen senken. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für grüne Anleihen, zusätzliche Mittel aufzubringen.
All diese Maßnahmen können das Vertrauen in grüne Anleihen erhöhen. Ohne dieses Vertrauen lassen sich die Erwartungen an die Aufbringung zusätzlicher Mittel für umweltverträgliche Investitionen und die Umlenkung der Finanzströme von Braun zu Grün nur schwerlich erfüllen.


Über die Autoren

Kathrin Berensmann

Dafe, Florence

Sozialwissenschaftlerin

Florence Dafe
Nannette Lindenberg

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