Süd-Süd Kooperation - Chancen und Herausforderungen für die internationale Zusammenarbeit

Süd-Süd Kooperation - Chancen und Herausforderungen für die internationale Zusammenarbeit

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Chahoud, Tatjana
Analysen und Stellungnahmen 9/2007

Bonn: German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Seit dem Aufstieg Chinas und Indiens (sog. Asian Drivers) sowie anderer „rising powers“, insbesondere Brasilien und Südafrika, sieht sich die internationale Zusammenarbeit mit neuen Chancen, aber auch besonderen Herausforderungen konfrontiert. In der politischen Diskussion wurden in diesem Kontext verschiedentlich auch neue Varianten kolonialer Beziehungen identifiziert. Ein nüchterner Blick auf die Süd-Süd-Kooperation zeigt jedoch, dass weder voreilige Verurteilungen noch Euphorie dienlich sind, notwendig ist eine sachliche Auseinandersetzung mit allen Akteuren der Entwicklungskooperation. Zur Klärung der Rolle der Süd-Süd-Kooperation werden nachfolgende Themenkomplexe umrissen:
• Aktuelle Tendenzen der Süd-Süd-Kooperation (Handel, Investitionen, Finanzen)
• Süd-Süd-Kooperation am Beispiel der Rolle der Asian Drivers in afrikanischen Ländern
• Perspektiven der Süd-Süd-Kooperation und Empfehlungen für die internationale Zusammenarbeit. Im Verlauf der vergangenen Dekade expandierte der Süd-Süd-Handel schneller als der Nord-Süd-Handel. Auch die Süd-Süd-Investitionen zeigen eine bisher ungekannte Dynamik. Investoren aus dem Süden verfügen oftmals über wichtiges regionales Know-how, nutzen angemessenere Technologien und weisen sich durch eine höhere Risikobereitschaft für unternehmerische Aktivitäten in einem schwierigen politischen Umfeld aus. Ein weiterer Indikator für die gewachsene Bedeutung der Süd-Süd-Kooperation ist die Tatsache, dass Länder des Südens eine zusätzliche Quelle für die Bereitstellung von Official Development Assistance (ODA) geworden sind. Über den tatsächlichen Umfang der Süd-Süd-Entwicklungszusammenarbeit (EZ) gibt es bislang allerdings nur bruchstückhafte Daten. Die gegenwärtigen Handels- und Investitionsflüsse zwischen China und Afrika werden in erheblichem Umfang durch die komplementäre Struktur in den beiden Regionen getrieben: afrikanische Rohstoffe gegen chinesische Industriegüter. Demgegenüber fließt die Mehrheit der indischen Handelsströme und Investitionen in Richtung Afrika in den Bereich der verarbeitenden Industrie bzw. den Servicesektor. Neuerdings hat Indien allerdings ebenfalls verstärkt Foreign Direct Investments (FDIs) im Erdölsektor getätigt. Für China und Indien wie auch die meisten anderen Länder des Südens gilt, dass faktisch keine eindeutige Abgrenzung zwischen konzessionären und kommerziellen Ressourcenflüssen vorgenommen wird. Grundsätzlich ist die Entwicklungskooperation Chinas und Indiens in starkem Maße in die eigene Außen-, Wirtschaftsund Sicherheitspolitik eingebettet. Als konzeptionelle Orientierung gelten die sog. Bandung-Prinzipien, insbesondere das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des Empfängerlandes. Konditionalitäten im Sinne des aid effectiveness-Konzeptes von OECD/DAC werden von den meisten Südländern abgelehnt.Während die positiven Seiten der aktuellen Süd-Süd-Dynamik v. a. in den erhöhten Ressourcenzuflüssen, besonders zugunsten armer EL zu sehen sind, bestehen für viele afrikanische Länder beträchtliche Herausforderungen aufgrund verstärkter Rohstoffabhängigkeit sowie dem gestiegenen Konkurrenzdruck bei einfachen Industriegütern aus asiatischen Ländern. Die im Heiligendamm-Prozess avisierten hochrangigen Dialoge zwischen der G8 und den fünf wichtigsten Ankerländern (Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika) können einen wichtigen Beitrag leisten, um die Vorteile von mehr Süd-Süd Kooperation zu nutzen und denkbare Risiken offen zu diskutieren.

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