Ostafrikas „Highway to Oil“

Ostafrikas „Highway to Oil“

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Kappel, Robert / Babette Never
Die aktuelle Kolumne (2015)

Bonn: German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE) (Die aktuelle Kolumne, 26.01.2015)

Bonn, Hamburg, 26.01.2015. In Uganda, Kenia und Tansania ist die Öl- und Gaseuphorie ausgebrochen. Im Februar 2015 wird die ugandische Regierung entscheiden, wer die einzige Raffinerie des Landes bauen darf. Europäische, chinesische und kanadische Ölkonzerne wollen in Kenia bereits im Jahr 2016, und in Uganda zwei Jahre später, mit der Ölförderung beginnen. Sobald der Export bzw. die Weiterverarbeitung im Inland beginnt, würden die Länder ihr Bruttoinlandsprodukt deutlich vergrößern können und von rohstoffarmen zu rohstoffexportierenden Ländern aufsteigen. Die Gefahren eines Ressourcenfluches à la Nigeria, von weitreichenden Umweltschäden und unsicheren Preisentwicklungen am globalen Markt, sind jedoch real.

Die ostafrikanischen Länder forcieren den Ausbau fossiler Energie, um möglichst hohe Staatseinnahmen zu generieren. Zugleich wollen sie den eigenen Öl- und Gasmarkt entwickeln, denn bislang sind alle Länder von Importen abhängig. Gerade in den Phasen hoher Öl- und Gaspreise mussten die Staaten mehr Devisen für Energieimporte ausgeben. Bspw. importierte Kenia im Jahr 2012 mehr als 1,5 Mio. t Rohöl und mehr als 1 Mio. t Ölprodukte (Benzin, Kerosin u. a.). Die geschätzten Ölreserven belaufen sich auf 3,5 bis 4 Mrd. Barrel (159 Liter) auf der ugandischen und ca. 2 Mrd. Barrel auf der kongolesischen Seite des Albertsees, während sich Kenias rund 1 Mrd. Barrel auf verschiedene Ölfelder im Norden des Landes verteilen. In Tansania wurden hingegen Erdgasressourcen von 1,4 Bill. Kubikmeter entdeckt.

Um die Entwicklung einer eigenen fossilen Energieversorgung voranzutreiben, sind sehr hohe Investitionen notwendig. Experten rechnen mit Kosten von rund 100 Mrd. USD für die Suche und Entwicklung der Erdöl- und Erdgas-Felder. Die geplante ca. 1.300 km lange ugandisch-kenianische Pipeline zum Hafen Lamu wird mit mindestens 4 Mrd. USD nicht nur teuer, sondern auch technisch aufwendig. Das wachsartige Öl muss konstant auf ca. 40 °C beheizt werden, damit es fließt. Diese Rieseninvestitionen stellen ein gewaltiges Konjunkturprogramm für die Region dar.

Ressourcenfluch à la Nigeria?
Wie Nigeria zeigt, können Öl und Gas schnell zum Fluch werden. Korruption, Kriminalität und Armut breiteten sich aus. Nichts von dem, was sich das Land von den riesigen Ölvorkommen versprach, ist eingetreten. 70 % der Bevölkerung sind heute arm. Das Land wurde zudem von einem selbstversorgenden Agrarstaat zu einem Land ohne nennenswerte Industrie und Importeur von Nahrungsmitteln. Arbeitsplätze wurden kaum geschaffen.

Nur wenn die ostafrikanischen Länder komplementäre Maßnahmen ergreifen und den Zufluss an Devisen auch für die industrielle und landwirtschaftliche Produktion einsetzen, können Folgen wie die in Nigeria vermieden werden. Ein gezieltes strategisches Vorgehen – einschließlich der Etablierung von Rohstofffonds und einer Prüfung der zu erwartenden ökonomischen Folgen (z. B. die Gefahr der Aufwertung der Währungen) und der Umweltschäden – ist wohl eher in Uganda als in Kenia anzunehmen. Illusionäre Erwartungen werden von den Regierungen beider Länder gehegt.

Drohende Umweltschäden
In der Umgebung des Albertsees schützen der Virunga-Nationalpark im Kongo und die Queen-Elizabeth- und Murchison-Falls-Nationalparks einzigartige Naturschätze der Erde. Wer durch den Murchison Falls Park fährt, kann neben Elefanten und Löwen inzwischen auch eine Landebahn der französischen Ölfirma Total bewundern, die dort Probebohrungen durchführt. Im Juni 2014 hatte der britische Konzern Soco erst nach massivem internationalen Druck seine Aktivitäten im Virunga Park eingestellt, doch die Gefahren für Natur und Tiere sind noch nicht gebannt. Die entdeckten Ölreserven liegen direkt an den Grenzen der Nationalparks. Auch die ugandisch-kenianische Pipeline birgt durch mögliche Lecks und Diebstahl Risiken für die Umwelt. Weder die bisherigen globalen Erfahrungen mit Ölkonzernen in armen Ländern noch die relative Schwäche und Bestechlichkeit lokaler Umweltbehörden stimmen optimistisch, was strikte Kontrollen angeht.

Volatilität der Energiemärkte
Inwieweit bringen die ostafrikanischen Regierungen die möglichen Gefahren der Volatilität der Energiemärkte in ihre Strategien ein? Die gegenwärtigen Niedrigpreise beim Rohöl verdeutlichen, dass das Ölinvestitionsprogramm möglicherweise nicht profitabel ist und daher die Förderung erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnt. Bei steigenden Energiepreisen ist es zudem erforderlich, Aufwertungseffekte der nationalen Währungen zu bewerten und durch Rohstofffonds Vorsorge für die Zukunft zu schaffen, wie dies etwa Botswana mit seinen Diamanteneinnahmen organisiert hat. Dass in Ostafrika diese Vorsorgementalität im gegenwärtigen Ölrausch zum Tragen kommt und die besonnenen Entscheidungsträger sich durchsetzen werden, ist unwahrscheinlich.

Die Regierungen sollten sich neben Kosten- und Nutzenkalkulationen stärker den Umweltproblemen der Öl- und Gasförderung widmen. Kurzfristig bietet Öl höhere Einkommen, aber langfristig könnte durch Umweltschäden auch das wirtschaftliche Standbein Tourismus wackeln. Zwar investieren alle ostafrikanischen Länder auch in erneuerbare Energien, aber wer Rohöl hat, ist immer noch jemand.

Robert Kappel, President Emeritus and Senior Researcher, GIGA German Institute of Global and Area Studies
Babette Never
, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Abteilung „Nachhaltige Wirtschafts- und Sozialentwicklung“, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Über die Autorin

Never, Babette

Politikwissenschaftlerin

Never

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