Afrikanische Entwicklungen: traditionelle bilaterale Geber am Scheideweg

Afrikanische Entwicklungen: traditionelle bilaterale Geber am Scheideweg

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Lundsgaarde, Erik
Analysen und Stellungnahmen 2/2011

Bonn: German Development Institute / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Die sich verändernde Geberlandschaft hat in den vergangenen Jahren die Aufmerksamkeit der entwicklungspolitischen Öffentlichkeit innerhalb von OECD-DAC auf sich gezogen. China, Indien,Brasilien und andere so genannte neue Geber spielen neben den traditionellen bilateralen Gebern in Afrika eine immer wichtigere Rolle. Doch die Aktivitäten der bilateralen OECD-DAC Geber sind weiterhin beträchtlich: 2008 kamen von diesen etwa 30 Mrd. US$ Hilfe für den Kontinent. Bei der Frage, wie sie ihr künftiges Engagement in Afrika ausrichten sollen, stehen diese Geber vor einer Reihe von Herausforderungen. Sie betreffen nicht nur ihre Verpflichtungen zur Entwicklungsfinanzierung und die Grundsätze effektiver Hilfe, sondern auch grundlegende Fragen der geographischen Verteilung und der Begründung der Hilfe. Die Debatten über die Prioritäten der Hilfe spiegeln unterschiedliche Entwicklungsaussichten der afrikanischen Staaten wider. Das Nebeneinander von viel versprechenden Ökonomien mit günstigen Rahmenbedingungen und Ländern mit anhaltend fragilen Institutionen ist ein Beispiel. Auch wenn einige DAC-Geber ihre Hilfen inzwischen stärker konzentrieren, bleibt die Landschaft der Hilfsprogramme und Geber fragmentiert. Diese Fragmentierung ergibt sich zum einen aus Defiziten bei der Koordinierung der Geber, eine komplementäre Arbeitsteilung zu erreichen. Die Fragmentierung ist jedoch auch auf mangelhafte Kohärenz der Entwicklungsstrategien einzelner Geber zurückzuführen. Neue bilaterale Schwerpunkte der Entwicklungshilfe bei den größten DAC-Gebern signalisieren, dass die Hilfen noch ausgeweitet werden.
Die neuen Initiativen reflektieren die politischen Prioritäten der Geberländer, entsprechen aber auch der Agenda für die Entwicklung Afrikas, wie sie im NEPAD-Prozess formuliert wurde. Dieser betont die Entwicklung der Landwirtschaft, Investitionen in wirtschaftliche Infrastruktur und die stärkere Einbindung des privaten Sektors. Da die Entwicklungszusammenarbeit zunehmend über die in den vergangenen zehn Jahren bevorzugten sozialen Sektoren hinausgeht, sollten die traditionellen bilateralen Geber daran arbeiten, die Konsistenz ihrer Entwicklungspolitik wie folgt zu verbessern:

• Die großen bilateralen Geber sollten umfassende Strategien für die globale Entwicklung und für ihr Engagement in Afrika formulieren. Die Entwicklung einer Strategie ist nötig, um die Beziehungen zwischen den Schwerpunkten in den Hilfsprogrammen zu klären und um zu bestimmen, wie sich Investitionen in verschiedenen Schwerpunktbereichen ergänzen können.

• Die Geber sollten der Reform der staatlichen Koordinierungsstrukturen in ihren Hilfssystemen höhere Priorität einräumen, um eine bessere Zusammenarbeit zwischen staatlichen Akteuren zu fördern. Denn es ist abzusehen, dass neue Themen zu neuen Herausforderungen bei der Koordinierung führen und künftige Reformbemühungen erschweren können.

• Die wachsende Aufmerksamkeit, die Fragen der Agrarproduktion und des privaten Sektors zuteil wird, sollte die Geber veranlassen, die Kohärenz zwischen Handels-,Entwicklungshilfe- und privater Investitionspolitik zu verbessern. Zugleich sollten sie aus Afrika kommende Bemühungen unterstützen, die Entwicklung des privaten Sektors anzukurbeln und den Außenhandel auszuweiten.

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Lundsgaarde, Erik

Political Scientist

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