Sharon Streets Humeanischer Konstruktivismus und das Verhältnis von Normativität und Moral

Hilbrich, Sören
Externe Publikationen (2017)

in: Zeitschrift für Praktische Philosophie 4 (1), 61-80

DOI: https://doi.org/10.22613/zfpp/4.1.3
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Sharon Street vertritt einen Humeanischen Konstruktivismus in der Metaethik, nach dem die normativen Gründe einer Akteurin von dem System ihrer eigenen normativen Urteile abhängen. Ein normatives Urteil ist nach Street genau dann wahr, wenn es zu der ideal kohärenten Menge der normativen Urteile gehört, die die Akteurin im Überlegungsgleichgewicht hätte. In diesem Aufsatz wird die Frage diskutiert, wie diese Konzeption von Normativität mit einer Konzeption von Moral verbunden werden kann. Eine Möglichkeit hierfür besteht darin, an einer engen Verbindung von Normativität und Moral festzuhalten. In diesem Fall muss die Wahrheit moralischer Sätze jedoch auf eine ähnliche Art als akteursrelativ verstanden werden, wie Street die Wahrheit normativer Sätze versteht. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, an einem absolutistischen Verständnis moralischer Sätze festzuhalten. Dann wären nach Streets Konzeption von Normativität jedoch Fälle denkbar, in denen eine Akteurin keinen normativen Grund hat, moralisch zu handeln. Beide theoretische Optionen scheinen kontraintuitive Implikationen zu haben, die z.B. mit der Möglichkeit moralischen Tadels oder der Vorstellung der Kategorizität moralischer Sätze zusammenhängen. Aufbauend auf Überlegungen von Street, Bernard Williams und David Lewis wird jedoch dafür argumentiert, dass insbesondere die zweite der genannten Optionen nicht so sehr von einem herkömmlichen Moralverständnis abweicht, wie es zunächst erscheint.

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Hilbrich, Sören

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