Wer vertritt die Armen? Entwicklungsländer müssen mit an den Tisch

Schmitz, Birgit
Externe Publikationen (2015)

in: Frankfurter Rundschau 18.11.2015, 18

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Ein zentrales Ziel der G20 ist es, die internationale Finanzstabilität zu fördern – ein wichtiges globales öffentliches Gut. Darüber hinaus soll sie globale Kooperation inklusiver machen, indem wichtige Schwellenländer mit am Tisch sitzen. Doch wo bleibt die Stimme der ärmeren, aber dennoch für die Weltwirtschaft immer wichtiger werdenden Länder?

Insgesamt gibt es wenig Dynamik, die Entwicklungsländer in der globalen Wirtschaftspolitik stärker partizipieren zu lassen. Manche Reformen führen nur vermeintlich zu einer verbesserten Beteiligung. Ein Beispiel dafür ist die kürzlich durchgeführte Überprüfung der repräsentativen Struktur des Financial Stability Board. Dieses globale Gremium koordiniert die Regulierung der internationalen Finanzmärkte. Fünf Länder bekamen mehr Sitze: Argentinien, Indonesien, Südafrika, Saudi-Arabien und die Türkei. Dies geschah jedoch auf Kosten internationaler Institutionen wie der Weltbank. Durch die Reform wurde der Stimmanteil der Institutionen verringert, in denen Entwicklungsländer reguläre Mitglieder sind. Damit wurden ausgerechnet die Vertreter geschwächt, die die Perspektive der Entwicklungsländer mit repräsentieren.

Wir können nicht davon ausgehen, dass die aufstrebenden Mächte die Interessen der Entwicklungsländer vertreten. Daher müssen die Entwicklungsländer selbst in den wichtigen weltwirtschaftlichen Institutionen und Foren eine stärkere Stimme bekommen. Ein Ansatzpunkt dafür wäre die Repräsentation durch regionale Vertreter oder internationale Institutionen im Sinne einer echten globalen Partnerschaft.



Über die Autorin

Schmitz, Birgit

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Schmitz

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