Armut, Armutsmessung und der Capability Approach

Am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) wurde der multidimensionale "Correlation Sensitive Poverty Index" (CSPI) entwickelt. Anders als der bekannte "Multidimensional Poverty Index" (MPI) erfasst der CSPI, dass sich die Armen hinsichtlich der Schwere ihrer Entbehrungen unterscheiden. Auf dieser Grundlage erforschte das DIE unter anderem, wie die Art, wie wir Armut messen, das beeinflusst, was wir über sie wissen, die politischen Implikationen und wie die Messung weiter verbessert werden kann.


Projektteam:
Nicole Rippin

Zeitrahmen:
2010 - 2013 / Abgeschlossen

Kooperationspartner:
Department of Development Economics, University of Göttingen

Projektbeschreibung

Amartya Sen's Nobelpreis-gekrönte Entwicklung des Capability Approachs hat die Armutsmessung revolutioniert, indem er den traditionellen Weg Armut in Form mangelnden Einkommens zu messen in Frage stellt. Tatsächlich ist der Einkommensansatz zunehmend in die Kritik geraten, da insbesondere arme Menschen häufig nur wenig Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse monetär zu befriedigen. Das gilt insbesondere für öffentliche Güter wie Gesundheit oder Bildung. Der Capability Approach überwindet dieses Problem, indem er verschiedene Arten von Entbehrungen direkt misst. Seinen Weg in die internationale Politik hat er 2010 durch die Einführung des "Multidimensional Poverty Index" (MPI) durch UNDP gefunden. Der MPI berücksichtigt jedoch nicht, dass sich die Armen hinsichtlich der Schwere ihrer Entbehrungen unterscheiden. In Übereinstimmung mit Amartya Sen, der die besondere Bedeutung von Verteilungssensitivität in der Armutsmessung betont, wurde der multidimensionale und verteilungssensitive "Correlation Sensitive Poverty Index" (CSPI) am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) entwickelt und hat zu zahlreichen Fragen inspiriert:

1. Wie sollte Armut in Zukunft gemessen werden? Inwiefern ändern sich Gestalt und Ausmaß globaler Armut mit unterschiedlichen Armutsmaßen? Was sind die politischen Implikationen?

2. Angesichts stark begrenzter Datenverfügbarkeit, welche Dimensionen und Indikatoren können und sollten zusammengesetzte Indizes wie MPI und CSPI benutzen? Und mit welcher Gewichtung? Was sind die wichtigsten fehlenden Dimensionen?

3. Welche Fragen müssten in zukünftige Haushaltsbefragungen aufgenommen werden um bislang fehlende Dimensionen erfassen zu können? Wie sollten Fragen generell formuliert werden, um nicht nur Informationen über erreichte "functionings", wie z.B. wohlgenährt zu sein (was hungern und fasten einschließt), zu liefern, sondern darüber hinaus auch "capabilities" abzufragen, wie z. B. die Möglichkeit wohlgenährt zu sein (obwohl man sich anders entscheiden könnte)?

4. Der Capability Approach gilt als überzeugendes Argument für die Existenz von Armut selbst in wohlhabenden Ländern. Wie sieht Armut in wohlhabenden Ländern wie Deutschland aus? Wo liegen die größten Unterschiede im Vergleich zu Entwicklungsländern? Und was können wir von der Erfahrung von deutlich fortschrittlicheren Datensätzen wie dem deutschen Sozio-ökonomischen Panel hinsichtlich der Aufnahme fehlender Dimensionen, der Wahl von Indikatoren und der Formulierung von capability-Fragen lernen?

Publikation

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