Entwaldung mit Wald-Degradation im peruanischen Amazonasgebiet: ein politisches Mehrebenenproblem

Dieses Projekt war Teil einer Länderarbeitsgruppe (LAG) im Rahmen des Postgraduierten-Programms. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Entwaldung in Peru, erarbeitete die LAG Lösungsvorschläge für die Umsetzung der ehrgeizigen ‚Null Entwaldung‘ Strategie der Regierung. Hierfür wurde die Entwaldung in Peru als politisches Mehrebenenproblem analysiert, Positionsdifferenzen und Einflussmöglichkeiten öffentlicher und nicht-staatlicher Akteure untersucht und Empfehlungen für einen effektiven Übergang zu nachhaltigem Wald-Management erarbeitet.

Projektleitung:
Dr. Fariborz Zelli (Assoziierter Wissenschaftler)

Projektteam:
Christian von Haldenwang
Teilnehmende des 46. Ausbildungsganges:
Daniela Erler
Sina Frank
Jonas Hein
Hannes Hotz
Anna-Maria Santa Cruz Melgarejo

Von:
2011 - 2011 / Laufend

Projektbeschreibung

Mit 70 Millionen Hektar – und damit knapp 60% der Landesfläche – besitzt Peru (nach Brasilien, der Demokratischen Republik Kongo und Indonesien) den weltweit viertgrößten Bestand an tropischem Regenwald. Vier Fünftel davon sind Urwald, geprägt von hoher Artenvielfalt und überdurchschnittlichem Reichtum an natürlichen Ressourcen. Laut Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehen pro Jahr mindestens 224.000 Hektar dieses Waldbestands verloren. Dies entspricht rund der Hälfte der jährlichen peruanischen Treibhausgas-Emissionen. Eine Ursache für die fortschreitende Entwaldung und Wald-Degradation ist die zunehmende Übersiedlung von Hochland-Bauern, welche ihre Subsistenz-Landwirtschaft im Amazonasgebiet fortführen. Weitere Gründe sind die Intensivierung von kommerzieller Landwirtschaft, Bergbau, Erdgas- und Erdöl-Förderung, Infrastruktur-Projekte sowie (mehrheitlich illegale) Abholzung.

Im Rahmen einer ehrgeizigen Strategie strebt die peruanische Regierung ‚Null Entwaldung’ bis 2019 an. 20 Millionen US$ hierfür sollen von der internationalen Gemeinschaft kommen – im Rahmen eines in den Klima-Verhandlungen diskutierten Finanzierungs- und Transfersystems zur Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Wald-Degradation in Entwicklungsländern (REDD). Zudem will das Land die Zusammenarbeit mit anderen Amazonas-Anrainern verbessern. Dennoch sind die gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen keinesfalls ausreichend, um den Weg zu einer nachhaltigen Waldnutzung zu bahnen. Dies zeigt sich unter Anderem in Fehl-Anreizen durch das peruanische Bodenrecht, mangelnder Strafverfolgung von illegaler Abholzung, sowie unzureichenden Regulierungen und Umweltverträglichkeits-Prüfungen bei der Vergabe von Bergbau- und Energie-Konzessionen. Auch müssen die Mitsprache-Rechte ansässiger indigener Gruppen bei Projekten zur Rohstofferschließung gestärkt werden.

Vor dem Hintergrund der wachsenden Rolle des Entwaldungs-Themas auf internationaler und nationaler Ebene hatte die Länderarbeitsgruppe das Ziel

(1) Entwaldung in Peru als politisches Mehrebenenproblem zu analysieren: international (Klima-Verhandlungen; Zusammenarbeit im Amazonas-Raum) und national / sub-national (neue Strategie zur Entwaldungsbekämpfung; Abstimmung zwischen Zentralregierung, Departamentos und Provinzen);
(2) die Positionsdifferenzen und Einflussmöglichkeiten öffentlicher und nicht-staatlicher Akteure zu untersuchen;
(3) im Austausch mit Entscheidungsträgern und Interessenvertretern Empfehlungen für einen effektiven und fairen Übergang zu nachhaltigem Wald-Management zu erarbeiten.

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