Vietnams Freihandelsabkommen im Spannungsverhältnis von Handels- und Industriepolitik

Das Projekt ist Teil der Länderarbeitsgruppe (LAG) des 51. Postgraduierten-Programms. Angesichts der sich oft überlappenden Verhandlungsprozesse von Freihandelsabkommen in Asien stellt sich die Frage nach den administrativen Kapazitäten vieler Entwicklungsländer zur parallelen Aushandlung dieser Abkommen. Da Vietnam eine Vielzahl solcher Abkommen verhandelt hat, ist diese Frage für das Land besonders relevant. Zudem gilt es zu untersuchen, wie Vietnams Freihandelspolitik mit den nationalen industriepolitischen Strategien zu vereinbaren ist.

Projektleitung:
Axel Berger
Dominique Blümer

Projektteam:
Andrea Bender
Julia Friesen
Katharina Kick
Felix Kullmann
Robert Roßner
Svenja Weyrauch

Von:
2015 - 2016 / Laufend

Kooperationspartner:
Central Institute for Economic Management (CIEM)
Vietnamese Chamber for Commerce and Industry (VCCI)

Projektbeschreibung

Motivation

Asien entwickelt sich zum Zentrum des Welthandelssystems. Regionale und globale Wertschöpfungsketten vertiefen sich, was zu einem starken Anstieg der intra- und interregionalen Handels- und Investitionsströme führt. Dieser Trend wird durch eine neue Generation von Freihandelsabkommen, wie der Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP), der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) und dem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Vietnam (EUVFTA) verstärkt. Da diese Abkommen weit über die Beseitigung traditioneller Handelshemmnisse und WTO-Regeln hinaus reichen, eröffnen sie Entwicklungs- und Schwellenländern neue Möglichkeiten, sich stärker in globale Wertschöpfungsketten zu integrieren und innerhalb dieser ‚Upgrading‘ voranzutreiben. Allerdings können tiefe Freihandelsabkommen auch ein Risiko für Entwicklungsländer darstellen, da sie den nationalen Politikspielraum zur Förderung der Industrialisierung einschränken oder sogar nationalen Strategien nachhaltiger Entwicklung entgegenstehen.

Während die Literatur sowohl über Freihandelsabkommen, als auch über globale Wertschöpfungsketten bereits breit aufgestellt ist, gibt es bisher kaum Forschung, die die Wechselbeziehung beider Forschungsfelder analysiert. Noch weniger beleuchtet sind die Auswirkungen dieser Freihandelsabkommen auf den nationalen Politikspielraum der Industriepolitik. Dies ist umso alarmierender, angesichts der Tatsache, dass viele Schwellenländer derzeit  mehrere tiefe Freihandelsabkommen mit  Industrieländern abgeschlossen haben oder noch verhandeln. Daher ist es das Ziel des Forschungsprojektes, dieses mögliche Spannungsfeld zwischen tiefen Freihandelsabkommen und ‚Upgrading‘ in globalen Wertschöpfungsketten näher zu untersuchen. Während es sich bei bestehenden Studien in der Regel Ländervergleichsanalysen handelt, wird diese Studie versuchen, die oben beschriebene Forschungslücke anhand einer detaillierten Fallstudie zu Vietnam zu schließen.

Forschungsschwerpunkte

Vietnam ist ein charakteristischer Fall dieser Entwicklung, da es erst jüngst eine Vielzahl solch tiefer Freihandelsabkommen unterzeichnet hat. Beispielhaft hierfür sind TPP oder auch das EUVFTA. Zwar ist Vietnam bereits in globalen Wertschöpfungsketten beteiligt, jedoch sieht sich das Land derzeit gefangen in Produktionsschritten mit geringerer Wertschöpfung. Um wirtschaftliche Entwicklung zu erzielen und der „middle income trap“ zu entkommen, sollte Vietnam daher versuchen, seine Position innerhalb globaler Wertschöpfungsketten zu verbessern, indem es beispielsweise die Produktivität in Exportsektoren steigert oder den Aufbau einer Zuliefererindustrie fördert. Diese Ziele spiegeln sich ebenfalls in der vietnamesischen „Strategy on Exports and Imports for 2011-2020 with Vision to 2030” wider.

Im Verlauf unserer Studie wollen wir versuchen, die folgende Forschungfrage zu beantworten: Was sind die Chancen und Risiken tiefer Freihandelsabkommen für die Beteiligung an und ‘Upgrading’ in globalen Wertschöpfungsketten?

Dabei werden wir voraussichtlich die folgenden Aspekte näher beleuchten: Wie sieht die aktuelle Position Vietnams in globalen Wertschöpfungsketten aus? Welches Potenzial haben bestimmte Sektoren für ‚Upgrading‘ in globalen Wertschöpfungsketten vor dem Hintergrund tiefer Freihandelsabkommen? Welche dieser Sektoren eignen sich besonders für eine tiefergehende Analyse (z.B. Textil und Bekleidung, Elektronik etc.)? Wie sind die globalen Wertschöpfungsketten in diesen Sektoren organisiert? Welche industriepolitischen Instrumente sind nach wie vor relevant und verfügbar im Kontext globaler Wertschöpfungsketten und tiefer Freihandelsabkommen? Welche Rolle spielen Sozial- und Umweltstandards für ‚Upgrading‘?

Methodik

Unsere Studie basiert auf einem Mixed-Methods Ansatz. Wir werden unsere Forschung im Frühjahr 2016 in Hanoi und Ho Chi Minh Stadt durchführen. Unsere Forschungsergebnisse werden wir in Form einer DIE-Studie und möglicherweise auch als gemeinsam mit dem Central Institute for Economic Management (CIEM) herausgegebenes Briefing Paper publizieren. CIEM ist ein führendes Forschungs- und Politikberatungsinstitut angegliedert an das Ministerium für Planung und Investitionen (MPI) und mit Sitz in Hanoi.

Publikation

Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)
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