Studie zeigt, wie Klimaschutz und UN-Nachhaltigkeitsziele gemeinsam erreicht werden können

Pressemitteilung vom 03.08.2021


Bonn, 03.08.2021. Eine Welt, die den Klimawandel bekämpft und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen umsetzt, ist möglich, so das Ergebnis einer neuen Studie. Forscher*innen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) und der Goethe-Universität Frankfurt haben einen ‚nachhaltigen Entwicklungspfad‘ (Sustainable Development Pathway – SDP) entworfen, der ehrgeizigen Klimaschutz mit gezielten Maßnahmen für Entwicklung, Zugang zu Nahrung und Energie, globale und nationale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit verbindet. Die Studie wurde am 2. August 2021 in der renommierten Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht.

In der Studie betrachten 27 Forscher*innen unterschiedliche Handlungsfelder wie Ernährung, Energie, politische Institutionen und Frieden sowie globale und nationale Gerechtigkeit und deren Auswirkungen auf die verschiedenen Nachhaltigkeitsziele. Mit diesem interdisziplinären, szenarienbasierten Ansatz wurden erstmals alle 17 Nachhaltigkeitsziele und ihre Wechselwirkungen untereinander berücksichtigt.

Forscher*innen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) betrachten u.a., wie internationale Klimafinanzierung und eine Umverteilung der Einnahmen aus CO2-Preisen zu globaler Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung beitragen kann. „Wir haben festgestellt, dass Klimapolitik auch die Armut im Globalen Süden reduzieren kann. Die Bepreisung von Treibhausgasemissionen und die Verwendung eines Teils der Einnahmen aus den Industrieländern zur Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklungspolitik in einkommensschwachen Ländern kommt sowohl dem Planeten als auch den Menschen zugute", erklärt Dr. Bjoern Soergel, der Erstautor der Studie. Den Klimawandel nicht als isoliertes Problem zu betrachten, sondern Klimaschutz mit einer breiten Nachhaltigkeitsstrategie zu verbinden, ist eine der Hauptforderungen der Studie. Als notwendige politische Maßnahmen nennt die Studie die Bepreisung von Treibhausgasen, die Förderung gesunder und nachhaltiger Ernährung sowie die Reduzierung des Energiebedarfs vor allem in Industrieländern.

Politische Faktoren sind zentral, in bisherigen Analysen aber zu kurz gekommen. Dr. Julia Leininger, Leiterin des Programms „Transformation politischer (Un-)Ordnung“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), und Christopher Wingens, ebenfalls DIE, trugen daher gemeinsam mit Prof. Constantin Ruhe, Goethe-Universität Frankfurt, Analysen und Modellierungen politischer Institutionen und gewaltsamer Konflikte entlang des nachhaltigen Entwicklungspfades bis 2050 zu der Studie bei. „Weltweit muss dringend gegen den Klimawandel gehandelt und nachhaltige Entwicklung erreicht werden. Starke, inklusive politische Institutionen und Frieden sind Schlüsselfaktoren für die ganzheitliche Umsetzung der Agenda 2030 und das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele“, so Dr. Julia Leininger.

Ihre Erkenntnisse: Die Qualität politischer Institutionen wird sich bis 2050 entlang des nachhaltigen Entwicklungspfades zwar generell verbessern. Dennoch ist davon auszugehen, dass erhebliche regionale Unterschiede bestehen bleiben und der angestrebte Zielwert einer weitreichenden signifikanten Qualitätsverbesserung politischer Institutionen in Orientierung an die SDGs verfehlt wird. Außerdem ist es wahrscheinlich, dass die Zahl weltweiter Todesfälle durch Konflikte bis 2050 entlang des nachhaltigen Entwicklungspfades wieder abnimmt und sogar unter das jüngste Minimum im Jahr 2005 sinkt. Von einer vollständig konfliktfreien Zukunft bis 2050 ist den Modellierungen zufolge jedoch auch entlang des nachhaltigen Entwicklungspfades nicht auszugehen. „Unsere Analyse zeigt, dass Zukunftsszenarien realistischer und politikrelevanter sind, wenn sie die Betrachtung von Institutionen und Gewaltkonflikten beinhalten.“, so Leininger.

Christopher Wingens, Co-Autor der Studie ergänzt zur Methodik der Studie: „Die vorliegende Untersuchung ist ein erster wichtiger Schritt, politikwissenschaftliche Variablen systematisch in die bislang stark naturwissenschaftlich und ökonomisch geprägte Zukunftsszenarien-Forschung zu integrieren.“

Der Entwicklungspfad basiert auf der szenarienbasierten Modellierung und kombiniert unterschiedliche Modelle, wie das integrierte Ökonomie-Energie-Klima-Landnutzungs-Modell des PIK, miteinander. Die Erkenntnisse der Szenarienforschung helfen politischen Entscheidungsträger*innen, Strategien zu entwickeln, wie Gesellschaften nachhaltiger werden können.

Die Studie kann hier eingesehen werden: https://www.nature.com/articles/s41558-021-01098-3

Über das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE):

Das DIE baut Brücken zwischen Theorie und Praxis und setzt auf die Zusammenarbeit in leistungsstarken Forschungsnetzwerken mit Partnerinstituten in allen Weltregionen. Seit seiner Gründung im Jahr 1964 vertraut das Institut auf das Zusammenspiel von Forschung, Beratung und Ausbildung. Das DIE berät auf der Grundlage unabhängiger Forschung öffentliche Institutionen in Deutschland und weltweit zu aktuellen Fragen der Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik arbeiten rund 130 Mitarbeiter*innen. Das Institut wird von Direktorin Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge geleitet. Das DIE ist Mitglied der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft.