Achtes Wasser-Land-Werkstattgespräch: "Der Wasser-Land-Nexus"

Veranstaltungsart
Achtes Wasser-Land-Werkstattgespräch

Ort/Datum
Bonn, 19.03.2015 bis 20.03.2015

Veranstalter
Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)


Es war das erste Mal in der inzwischen 19-jährigen Geschichte der „Wasserwerkstatt“, dass wir eine Wasser-Land-Werkstatt organisierten und Themen aufgriffen, die die gegenseitigen Abhängigkeiten bei der Nutzung und dem Management von Land- und Wasserressourcen im Blick haben.

Auf den ersten Blick schien dies nichts Neues zu sein, und es wäre verfehlt, anzunehmen, dass die mit Wasser- oder Landmanagement in Entwicklungsländern befassten Praktiker, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die gegenseitigen Abhängigkeiten ignorierten. So erkennt das Konzept des Integrierten Wasserressourcenmanagement (IWRM) explizit die Beziehungen zu Land an, und auch Ansätze des Landmanagements berücksichtigen die Bedeutung von Wasser. Die für die jeweilige Ressource entwickelten Governance- und Managementkonzepte  haben jedoch den Wechselwirkungen und dem Einfluss der jeweils anderen Sektorpolitiken bisher nicht oder nur ungenügend Rechnung getragen. 

Diese isolierten Ansätze sind bereits in der Vergangenheit an ihre Grenzen gestoßen, etwa beim Gewässergütemanagement, aber auch bei der Nutzung von Oberflächen- und Grundwasser oder beim Boden- und Erosionsschutz. Angesichts der zunehmenden Verknappung von Boden und Wasser und der Konkurrenz um die Nutzung dieser Naturgüter im Kontext klimatischer Veränderungen und globaler wirtschaftlicher und ökologischer Trends, müssen heute verstärkt Anstrengungen unternommen werden, wenn die Übernutzung und Degradierung der Ressourcenbasis gestoppt und, wenn möglich, sogar umgekehrt werden soll bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität. Eine Steuerung der Nutzung von Ressourcen bedarf einer an Nachhaltigkeitskriterien orientierten strategischen Ausrichtung der Sektorpolitiken und einer verbesserten Sektor übergreifenden Koordination, damit Bestrebungen auf der einen Seite nicht von anderen Politiken behindert oder sogar konterkariert werden. Eine entscheidende Frage ist, ob die jeweiligen Sektorpolitiken (Landwirtschaft, Handel, Wasser, Umwelt, Energie) adäquate Anreize bieten und ob kohärente Politikansätze verfolgt werden, um die unterschiedlichen Nutzungsansprüche auszugleichen, so dass negative Auswirkungen minimiert werden. 

Einige aktuelle Zielkonflikte zwischen verschiedenen Ressourcennutzungen sind: die Bewässerungslandwirtschaft, die die Wassernutzung anderer Sektoren beeinträchtigt (Mengen- und Qualitätsprobleme); der Anbau von Nahrungsmitteln, der oft mit dem von Agrarkraftstoffen und Biomasse konkurriert; die Wassernutzung in der Landwirtschaft, die dem Schutz von Böden entgegensteht; Investitionen in Agrarland, die negative Auswirkungen auf Land- und Wassernutzungsrechte von kleinbäuerlichen Betrieben und anderen Nutzern haben; die nicht-nachhaltige Intensivierung der agrarischen Produktion, die Böden und Gewässerqualität gleichermaßen gefährdet. Es fällt nicht schwer, weitere Beispiele zu finden. 

Was sind die zentralen Handlungsfelder? Welche Interdependenzen und Zielkonflikte bestehen? Welche Governance-Formen sind erfolgversprechend?

Wie es schon bei der Wasserwerkstatt Brauch war, lag unser Fokus auf Governance-Themen. Da sich die diesjährige Werkstatt zum ersten Mal mit dem Wasser-Land-Nexus befasste, versteht sie sich als eine experimentelle Veranstaltung, die in das Thema einführen möchte. Sie wollte die verschiedenen Ansätze und Sichtweisen der damit befassten Fachleute transparent machen und zur Diskussion stellen. Wir wollten

  • das Thema zunächst inhaltlich und begrifflich genauer umreißen und dabei zentrale Handlungsfelder identifizieren, in denen kritische Interdependenzen und Zielkonflikte zwischen Land- und Wassernutzung bestehen (wie oben bereits angesprochen).
  • die komplexen Governance-Herausforderungen in diesen Handlungsfeldern herausstellen und analysieren; hier geht es u.a. darum, Anreize und Hemmnisse zu begreifen, die von Sektorpolitiken, Verfügungsrechtsinstitutionen und institutionellen Arrangements geschaffen bzw. nicht geschaffen werden. 
  • unterschiedliche Governance-Ansätze erörtern und wenn möglich mit Praxisbeispielen illustrieren wie sie von bestehenden Konzepten thematisiert werden (also zum Beispiel von IWRM, von ökonomischen und/oder ordnungspolitischen Steuerungsinstrumenten und  von Kooperationsmodellen wie denen zwischen der Wasser- und Landwirtschaft und dem Naturschutz), um dann zu diskutieren,  welche Steuerungs- und Regulierungsansätze sinnvoll sind.


Für das Themenfeld (1) suchten wir systematisierende, übergreifende Beiträge; für die Themenfelder (2) und (3) suchten wir Expertise, interessante Perspektiven und wegweisende Beispiele.


Hinweis
Während unserer Veranstaltungen werden z.T. Foto- und/oder Filmaufnahmen gemacht, die für Zwecke der Veranstaltungsberichterstattung und allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit in verschiedenen Medien veröffentlicht werden. Sie haben jederzeit das Recht, den Foto- oder Videografen darauf hinzuweisen, dass Sie nicht aufgenommen werden möchten.

Veranstaltungsinformation

Datum
19.03.2015 bis 20.03.2015

Ort
Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)
Tulpenfeld 6
53117 Bonn