Internationales Konsortium untersucht Auswirkungen des neuen indischen Krankenversicherungssystems

Pressemitteilung vom 13.05.2019

Bonn/London/Delhi, 13.05.2019. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) hat im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein internationales Forschungskonsortium beauftragt, die kurzfristigen Auswirkungen der ambitionierten landesweiten Krankenversicherung der indischen Regierung, Pradhan Mantri Jan Arogya Yojana Abhiyan (PMJAY) – umgangssprachlich auch bekannt als "ModiCare" – zu ermitteln. Das vom Heidelberg Institute of Global Health (Faculty of Medicine, Universität Heidelberg) geführte Konsortium besteht aus dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), City, University of London, IQVIA (Indien) und Nielsen (Indien).

PMJAY wurde am 23. September 2018 offiziell gestartet. Es wird erwartet, dass es sich zu einer der größten Versicherungen weltweit entwickelt, indem es 500 Millionen Haushalten eine Krankenversicherung für die sekundäre und tertiäre Gesundheitsversorgung bietet. Bislang wurde PMJAY von 29 Staaten und 7 Union Territorien in Indien übernommen und in Verbindung mit bestehenden staatlichen Krankenversicherungen implementiert. Diese Regelung garantiert berechtigten Haus-halten den bargeldlosen Zugang zu stationären Gesundheitsdienstleistungen, die von privaten o-der öffentlichen Krankenhäusern bis zu einer Obergrenze von 500.000 Rupien pro Jahr (~6.000 EU-RO) erbracht werden. Indien hat bereits 2008 eine gesetzliche Krankenversicherung, die Rashtriya Swasthya Bima Yojana (RSBY), eingeführt. Rund 41 Millionen Haushalte waren im Rahmen dieser Regelung versichert. Ein wesentliches Merkmal von PMJAY im Vergleich zum RSBY ist das alle Mitglieder des anspruchsberechtigten Haushalts unter PMJAY versichert sind.

Die geplanten Forschungsaktivitäten erstrecken sich über vier verschiedene, aber stark miteinander verzahnte Komponenten: 1) eine systematische Überprüfung der sozialen Krankenversicherungssysteme in Südasien mit besonderem Schwerpunkt auf Indien; 2) eine Prozessdokumentation, die die Abfolge der Ereignisse beschreibt, die zur Einführung des Systems geführt haben; 3) eine Haushaltsbefragung, die Auswirkungen der Versicherung auf die Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen und Gesundheitsausgaben ermittelt; 4) eine Krankenhausbefragung, die Auswirkungen der Versicherung auf die Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen abschätzt. Die bei-den letztgenannten Komponenten werden sich jeweils auf eine Stichprobe von 16.000 Haushalten und 168 Krankenhäusern in sieben Staaten stützen. Die Gesamtbewertung basiert auf einem multimethodischen Ansatz, der qualitative und quantitative Methoden der Datenerhebung und -analyse integriert. 

Der offizielle Start des Forschungsprojekts erfolgte im Januar 2019 in Neu-Delhi. Ein fünftägiger Einführungsworkshop bot allen Partnern des Forschungskonsortiums die Möglichkeit, sich einen Überblick über die neue Versicherung zu verschaffen und die Studienziele zu verfeinern.

Die Ergebnisse der Evaluierung werden sowohl zur Gestaltung der weiteren gesundheitspolitischen Entwicklung in Indien als auch zur Information der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich des sozialen Gesundheitsschutzes beitragen.

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