Wie ungelöste Probleme Entwicklungsländer in die Verschuldung treiben

Berensmann, Kathrin
Externe Publikationen (2018)

in: Diplomatisches Magazin 12/2018, 34-37

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Glaubt man dem internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, droht auf absehbare Zeit eine Verschuldungskrise in den Entwicklungsländern. Laut jüngsten Schätzungen sind rund 40 Prozent der armen Entwicklungsländer wieder hoch verschuldet. Und das obwohl die „Initiative für hochverschuldete arme Länder“ und der multilaterale Schuldenerlass die Verschuldung vieler Entwicklungsländer zuvor stark gesenkt hatten.

Für diese kritische Verschuldungssituation gibt es sowohl interne allem niedrige Staatseinnahmen aufgrund von ineffizienter Steuerpolitik und Korruption. Nach Schätzungen des IWF betragen die Steuereinnahmen gemessen am Bruttoinlandsprodukt in Entwicklungsländern circa 15 bis 25 Prozent und in Industrieländern rund 35 Prozent. Hinzu kommen Schwächen auf den Gebieten der Good Financial Governance und der Rechtsstaatlichkeit. Eine weitere interne Ursache ist ein schlechtes Schuldenmanagement. Zum einen werden Kredite häufig nicht für produktive Investition, sondern für den Konsum vom Gütern verwandt. Zum anderen werden oft nicht die günstigsten Zahlungsbedingungen ausgehandelt. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter der Finanzministerien häufig nicht gut genug ausgebildet sind. Zu den externen Ursachen der Verschuldung gehören vor allem exogene Schocks. Strukturelle Probleme wie eine wenig diversifizierte Wirtschafts- und Exportstruktur und die Konzentration auf Rohstoffe führen zu einer hohen Anfälligkeit zum Beispiel gegenüber Preis- und Nachfrageschwankungen auf dem Weltmarkt. 

Politikmaßnahmen gegen die Überschuldung Damit die Entwicklungsländer ihre nachhaltigen Entwicklungsziele erreichen können und ihre Finanzressourcen nicht für Schuldendienste, sondern für Investitionen verwenden können, sind eine Reihe von Maßnahmen der Entwicklungsländer und internationalen Gemeinschaft erforderlich. Die Entwicklungsländer selber sollten ihre  Gesamtverschuldung durch höhere Staatseinnahmen verringern. Dafür ist der Aufbau eines effizienten Steuersystems notwendig. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, ein umfassenderes und effektiveres Management der öffentlichen Schulden aufzubauen. Dazu gehört auch die Verbesserung der Kapazitäten für das öffentliche Schuldenmanagement und eine geeignete Schuldenstruktur hinsichtlich der Laufzeit und der Zusammensetzung von inländischer und ausländischer Währung. Gleichzeitig trägt ein gutes Schuldenmanagement auch zu einer besseren Transparenz und Vollständigkeit der Daten über die Verschuldungssituation in Entwicklungsländern bei. Zur Abfederung vom exogenen Schock sollten die Entwicklungsländer langfristig ihre Exporte mehr diversifizieren.

Zu den Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft gehören insbesondere die Ausweitung und Verbesserung ihrer Maßnahmen zum Schuldenmanagement. Zudem sollte sich die internationale Gemeinschaft auf einheitliche Prinzipien zur verantwortlichen Kreditvergabe und -aufnahme einigen. Bisher gibt es verschiedene Vorschläge von der UN, den G20, der OECD und dem Institute of International Finance – ein Zusammenschluss wichtiger privater Finanzakteure. Darüber hinaus sollte die Internationale Gemeinschaft die Anwendung von Kollektivklauseln ausweiten, die dazu dienen, Umstrukturierungen von Staatsanleihen zu vereinfachen. Langfristig kann auch ein Insolvenzverfahren für Staaten eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Verschuldungskrisen spielen, weil es das einzige umfassende Instrument ist, das alle Gläubigergruppen koordinieren kann. Ein Instrument alleine kann Verschuldungskrisen weder verhindern noch bewältigen. Dafür ist die Kombination der verschiedenen Instrumente notwendig.

 

Über die Autorin

Berensmann, Kathrin

Wirtschaftswissenschaften

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