Kooperation zu Wasserkraftprojekten an internationalen Flüssen - Die Projekte der Rusisi-Kaskade und Rusumo Falls

Dieses Projekt war Teil der Länderarbeitsgruppe (LAG) des Postgraduierten-Programms. Es wurden Möglichkeiten und Hindernisse der multilateralen Kooperation anhand von drei Beispielen in dem Bereich Wasserkraft in Subsahara-Afrika untersucht. Das Zustandekommen und die Entwicklung der länderübergreifenden Kooperationen, die Aufteilung der Kosten, sowie die fortlaufende Finanzierung der Wasserkraftprojekte sind Themen, die bearbeitet wurden.

Projektleitung:
Ines Dombrowsky

Projektteam:
Teilnehmende des 48. Ausbildungsganges:
Julia Bastian
Daniel Däschle
Simon W. Heisig
Johannes Peters
Christian Vosseler

Von:
2012 - 2013 / Laufend

Projektbeschreibung

Wasserkraft steht hoch auf der Agenda vieler afrikanischer Staaten. Insbesondere in Subsahara-Afrika ist derzeit lediglich 5% der geschätzten Wasserkraftkapazität entwickelt, und der Großteil der ländlichen Bevölkerung ist bisher nicht an eine zentrale Stromversorgung angeschlossen. Darüber hinaus stellt Wasserkraft eine bewährte Technologie zur Erzeugung erneuerbarer Energie dar und Speicher können zur Anpassung an den Klimawandel beitragen. Gleichzeitig ist aber die Mehrzahl der großen afrikanischen Flüsse mit Wasserkraftpotenzial grenzüberschreitend. Ferner bleiben insbesondere große Staudämme mit negativen Umwelt- und sozialen Effekten umstritten. Dies wirft die Frage auf, unter welchen Bedingungen Kooperation um Wasserkraftprojekte an internationalen Flüssen zustande kommt, wie diese umwelt- und sozialverträglich ausgestaltet werden kann und welche Mechanismen zum Vorteilsausgleich es auf internationaler Ebene und innerhalb der entsprechenden Länder gibt.

Diesen Fragen wurden am Beispiel der Region der Großen Seen in Afrika nachgegangen. Burundi, die Demokratische Republik Kongo und Ruanda betreiben bereits seit 1989 ein gemeinsames Wasserkraftwerk am Ruzizi-Fluss (Ruzizi II) und planen dort derzeit zwei weitere. Ruzizi II hat eine Kapazität von 36 MW und wird von einer zwischenstaatlichen Organisation der drei Staaten betrieben. Der Erfolg von Ruzizi II ist, dass immer Strom geliefert wurde, auch in Zeiten zwischenstaatlicher Konflikte, allerdings steht es vor großen finanziellen Herausforderungen. Diese sind ein Grund, warum Ruzizi III, ein Laufkraftwasserwerk von 147 MW, von einem privaten Investor gebaut und betrieben werden soll. Die Machbarkeitsstudien sind abgeschlossen und es läuft derzeit die Ausschreibung für den Investor. Das Projekt wird die Umsiedlung von sechs Haushalten erfordern. Die Projektvorbereitung wird von der l’Organisation de la Communité Economique des Pays des Grands Lacs (CEPGL) pour l’Energie des Pays des Grands Lacs (EGL) koordiniert (ansässig in Burundi) und das Projekt wird unter anderem von der Europäischen Investitionsbank und der KfW Entwicklungsbank unterstützt. Zusätzlich planen Burundi, Ruanda und Tansania an den Rusumu Fällen am Kagera, einem Nilzufluss, die Errichtung eines Wasserkraftwerks. Kürzlich wurde die mittelgroße Variante von 90 MW verworfen, da sie die Umsiedlung von 5200 Haushalten erfordert hätte. Derzeit werden Machbarkeitsstudien für die Laufwasserkraftwerksvariante von 80 MW vorbereitet, die die Umsiedlung von etwa 100 Haushalten erfordern wird. Die Eigentümer des Kraftwerks werden die drei Staaten sein, aber es soll von einem privaten Betreiber betrieben werden. Die Vorbereitung wird durch das Nile Equatorial Lakes Subsidiary Action Program (NELSAP, ansässig in Ruanda) der Nilbeckeninitiative (NBI) koordiniert, und das Projekt wird unter anderem von der Weltbank unterstützt. 

Die Fragestellungen für die LAG umfassten:
(1) Wie hat sich die Kooperation in den drei Fällen entwickelt und was sind förderliche und hinderliche Faktoren für das Zustandekommen von Kooperation um internationale Wasserkraftprojekte
(2) Wie können Nutzen- und Kostenströme dieser Projekte (einschließlich der sozialen und Umweltkosten) zwischen den Regierungen, dem privatem Investor und der lokalen Bevölkerung gerecht aufgeteilt werden?
(3) Wie können die institutionellen Arrangements ausgestaltet werden, um die finanzielle Nachhaltigkeit der Projekte zu gewährleisten?

Publikation

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