Soziale Kohäsion in Afrika

Das Projekt identifiziert unterschiedliche Formen von sozialer Kohäsion in Afrika und untersucht welche nationale und internationale Faktoren und Politiken einen Beitrag zu stärkerer sozialer Kohäsion bzw. Prävention sozialer Desintegration leisten können. Es zielt darauf ab, die Wechselwirkungen zwischen sozialer Kohäsion und Entwicklungspolitik zu beleuchten und die Bedeutung von sozialer Kohäsion für Entwicklung in Afrika besser zu verstehen.

Projektleitung:
Julia Leininger

Projektteam:
Francesco Burchi
Florence Dafe
Charlotte Fiedler
Jörn Grävingholt
Sven Grimm
Christine Hackenesch
Karina Mroß
Armin von Schiller
Christoph Sommer
Christoph Strupat
Christian von Haldenwang

Finanzierung:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Status:
2018 - 2020 / Laufend

Projektbeschreibung

Die soziale Kohäsion - oder auch der soziale Zusammenhalt - von Gesellschaften ist eine zentrale Erfolgsbedingung für nachhaltige Entwicklung in Afrika. Allerdings steht gerade in afrikanischen Gesellschaften die soziale Kohäsion unter Druck. Der erwartete demographische Wandel - mehr als zwei Milliarden Menschen in 2050 und über 50 Prozent unter 18 Jahren -  könnte die Armut und soziale Ungleichheit, und damit soziale Desintegration, weiter verstärken. Soziale Ungleichheit variiert je nach afrikanischer Subregion, ist im weltweiten Vergleich aber insgesamt hoch. Zudem drohen zahlreiche Konflikte - davon 15 mit sehr hoher Gewaltintensität - die Gesellschaften weiter zu spalten. Wenn funktionierende Institutionen fehlen, können die Interessen der Bevölkerung nicht aggregiert werden und auch niedrigschwellige Gewaltkonflikte zum Auseinanderdriften von Gesellschaften beitragen. Fehlende Identifizierung mit einem übergeordneten Gemeinwesen schränkt zudem die Bereitschaft ein, sich für die Gesamtgesellschaft zu engagieren, z.B. durch eine geringe oder keine Bereitschaft, Steuern zu zahlen. Andererseits besteht in vielen Ländern ein hoher sozialer Zusammenhalt bestimmter Gruppen, z.B. innerhalb von Familien oder ethnischen Gruppen.

Insgesamt ergibt sich aus der bestehenden Forschung bislang kein integriertes Bild, aus dem verallgemeinerbare Erkenntnisse zu sozialer Kohäsion in Afrika oder übergeordnete, handlungsleitende Empfehlungen für die Gestaltung und Umsetzung von Entwicklungspolitik in Afrika abgeleitet werden können. Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt darauf ab ein besseres Verständnis von Arten sozialer Kohäsion sowie deren Bedingungsfaktoren zu generieren. Das Forschungs- und Beratungsprojekt zielt auf die Beantwortung von drei zentralen, übergeordneten Fragestellungen ab:

  1. Welche Formen und Typen sozialer Kohäsion können in Afrika identifiziert werden? Lassen sich diese unterschiedlichen Typen sozialer Kohäsion in Ländergruppen abbilden?
  2. Welche nationalen Faktoren beeinflussen den Grad an sozialer Kohäsion? Wie können Politikmaßnahmen zur Entstehung und Vertiefung von sozialer Kohäsion beitragen?
  3. Wie und unter welchen Bedingungen kann internationale und transnationale Kooperation Einfluss auf die zentralen innerstaatlichen Faktoren nehmen, die soziale Kohäsion bedingen?



Die Frage nach den Typen und Entstehungsbedingungen von sozialer Kohäsion sowie die Implikationen für Entwicklungspolitik werden darüber hinaus auch in fünf Themenkomplexen für bestimmte Politikfelder genauer betrachtet.

  • Themenkomplex 1 „Steuern und soziale Sicherungssysteme“ analysiert inwieweit Steuer- und Sozialpolitik zur Stärkung sozialer Kohäsion in Afrika beitragen können. Es geht dabei der Frage nach, welche Reformen von sozialen Sicherungs- und Steuersystemen notwendig sind, um die Akzeptanz und Legitimität des fiskalischen Vertrags zwischen Staat und Gesellschaft in Afrika zu verbessern und damit soziale Kohäsion zu stärken.
  • Themenkomplex 2 „Werte, inklusive Governance und Demokratie“ analysiert welchen Einfluss  kulturelle Faktoren, wie Norm- und Wertorientierungen, auf die Herausbildung und Funktionalität von politischen Institutionen in afrikanischen Gesellschaften haben. Es fragt zudem nach den beobachtbaren Wechselwirkungen zwischen politischen Institutionen und sozialer Kohäsion.
  • Themenkomplex 3 „Konflikt und gesellschaftlicher Frieden“ geht der Frage nach welchen Einfluss (a) externe Friedensförderung, (b) politische Institutionen und (c) individuelle Einstellungen (bezüglicher dieser Institutionen) auf gesellschaftlichen Frieden und soziale Kohäsion haben können.
  • Themenkomplex 4 „Förderung von Klein-und Mittelunternehmen und Finanzmarktentwicklung“ beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Finanzsystem ausgestaltet sein muss, um einheimische Mittel zu mobilisieren und in einheimische Investitionen, insbesondere in kleine und mittlere Unternehmen, zu transformieren und welche Wechselwirkungen sich hieraus zu sozialer Kohäsion ergeben.
  • Themenkomplex 5 „Anpassung an den Klimawandel und soziale Kohäsion“ geht der Frage nach, wie sich bestimmte Anpassungsstrategien an den Klimawandel auf die soziale Kohäsion in ausgewählten afrikanischen Gesellschaften auswirken.

Publikationen

Projektkoordination

Andrea Cordes

Aktuelle Publikationen

Warum das BMZ die Zahl der Partnerländer reduzieren will

Klingebiel, Stephan
Die aktuelle Kolumne, 15.10.2018

Risk retention

Horstmann, Britta / Nicola Tollin
Externe Publikationen, 10.10.2018

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